Bestimmung

Giftige Wildpflanzen, die man erkennen sollte

7 Min. Lesezeit

Gefleckter Schierling mit weißen Doldenblüten in einer Waldumgebung

Foto von Aliaksei Semirski

Die goldene Regel beim Wandern im Wald oder entlang eines Weges ist einfach: Wenn du eine Pflanze nicht mit Sicherheit kennst, berühre sie nicht, pflücke sie nicht und iss sie vor allem nicht. Viele wildwachsende Arten in Europa sind giftig, manche schon in kleinen Mengen, und einige ähneln harmlosen oder essbaren Pflanzen erstaunlich stark. Dieser Leitfaden dient nicht dazu, etwas zu sammeln: Er soll dir helfen, sie zu erkennen, um Abstand zu halten, und schützt vor allem Kinder und Haustiere, die am neugierigsten und am verletzlichsten sind. Wir zeigen dir die häufigsten gefährlichen Arten, die Merkmale, die beim Unterscheiden helfen, und was im Zweifelsfall zu tun ist.

Die Regel über allem: im Zweifel nicht berühren

Bevor wir die einzelnen Arten aufzählen, denke an einige Grundsätze, die immer gelten.

  • Kein Hausmittel ist zuverlässig. Volkstümliche Überzeugungen (Beeren, die Vögel fressen, seien sicher; bitterer Geschmack verrate Gift; Kochen zerstöre die Giftstoffe) sind falsch und gefährlich. Viele Gifte bleiben auch nach dem Kochen aktiv.
  • Kinder und Tiere sind am stärksten gefährdet. Eine Handvoll bunter Beeren kann bei einem kleinen Kind oder einem Hund eine schwere Vergiftung auslösen. Bringe früh bei, nichts im Freien Gesammeltes in den Mund zu nehmen.
  • Manche Pflanzen sind schon bei bloßer Berührung gefährlich. Man muss sie nicht einmal essen: Bestimmte Arten verursachen Verbrennungen oder Kontaktdermatitis (dazu später mehr).
  • Bei Verdacht auf Verschlucken wende dich sofort an eine Giftnotrufzentrale oder bei Tieren an den Tierarzt. Mache, wenn möglich, ein Foto der Pflanze oder bewahre ein Stück davon auf, um die Bestimmung zu erleichtern. Löse kein Erbrechen ohne ärztliche Anweisung aus.

Dieser Leitfaden hilft dir, Pflanzen zu erkennen, die du meiden solltest, nicht essbare zu sammeln. Der Unterschied zwischen einer guten und einer tödlichen Pflanze kann in einem einzigen Detail liegen, und ein Fehler lässt keinen Spielraum.

Der Schierling und seine Doppelgänger: Vorsicht bei den Doldenblütlern

Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) ist eine der gefährlichsten Wildpflanzen Europas: Alle seine Teile sind giftig, und das Verschlucken kann tödlich sein. Er wächst an feuchten Stellen, auf Brachen, entlang von Gräben und Straßenrändern und kann über anderthalb Meter hoch werden.

So erkennst du den Schierling

  • Glatter, hohler Stängel mit rotvioletten Flecken oder Streifen, vor allem im unteren Bereich. Das ist eines der auffälligsten Merkmale.
  • Kleine weiße Blüten in Dolden vereint (die typische Schirmchenform der Apiaceae).
  • Stark geteilte Blätter, ähnlich denen der Petersilie, von einem intensiven Grün.
  • Unangenehmer, stechender Geruch, ein für die Art beschriebenes Merkmal: Zerriebenes Laub verströmt einen Geruch, der oft als Mäuseurin beschrieben wird. Du musst sie nicht anfassen, um sie zu erkennen, die übrigen Merkmale genügen.

Das Problem ist, dass die Familie der Doldenblütler (Apiaceae) sowohl angebaute Küchenpflanzen (Fenchel, Petersilie) als auch tödliche Arten umfasst. Die Verwechslung untereinander ist eine der häufigsten Ursachen für schwere Vergiftungen. Deshalb lautet die Empfehlung klar: Wilde Doldenblütler werden nicht gesammelt: Sie auseinanderzuhalten erfordert botanisches Fachwissen, und dieser Leitfaden dient allein dazu, sie zu erkennen, um sie zu meiden.

An feuchten Stellen wachsen der Wasserschierling (Cicuta virosa) und die Safran-Rebendolde (Oenanthe crocata), die zu den tödlichsten Pflanzen der europäischen Flora zählen. Die Hundspetersilie (Aethusa cynapium) gilt als deutlich weniger gefährlich und ihre Giftigkeit wird heute diskutiert, sie bleibt aber ein Grund mehr, keinen wilden Doldenblütler anzufassen. Wenn du einen Doldenblütler in feuchter Umgebung siehst, betrachte ihn als potenziell riskant.

Schierlingsstängel mit rot-violetten Flecken und Dolden kleiner weißer Blüten
Die rot-violetten Flecken auf dem glatten, hohlen Stängel verraten den Gefleckten Schierling.

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Giftige Beeren: die verlockenden Farben, die täuschen

Beeren sind besonders heimtückisch, weil sie appetitlich wirken, vor allem in den Augen eines Kindes. Hier einige der gefährlichsten, denen man in europäischen Wäldern und Hecken begegnet.

Tollkirsche (Atropa belladonna)

Sie bildet schwarze, glänzende Beeren, einzeln, so groß wie kleine Kirschen, mit einem grünen Kelchstern an der Basis. Die glockenförmigen Blüten sind bräunlich-violett. Sie zählt zu den giftigsten Pflanzen überhaupt: Wenige Beeren können für ein Kind tödlich sein. Sie wächst auf Lichtungen und in Wäldern, vor allem in Hügel- und Berglagen.

Eibe (Taxus baccata)

Ein immergrüner Baum oder Strauch mit abgeflachten Nadeln. Er bildet kleine rote Beeren (eigentlich Samenmäntel) mit einem Samen im Inneren. Fast die gesamte Pflanze ist hochgiftig: Nadeln, Rinde und Samen. Die Eibe findet man auch in Gärten und Parks, daher ist es gut, sie zu kennen.

Bittersüßer Nachtschatten und andere Nachtschattengewächse

Der Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) hat rote, ovale Beeren und violette Blüten mit gelbem Zentrum. Auch die grünen, unreifen Beeren vieler wilder Nachtschattengewächse sind giftig.

Aronstab (Arum maculatum)

Er bildet im Sommer eine Ähre aus leuchtend roten Beeren, sehr auffällig, zu den anziehendsten für Kinder und zu den gefährlichsten gehörend. Die gesamte Pflanze ist reizend und giftig.

Die praktische Regel: Keine Wildbeere sollte berührt oder gekostet werden, wenn man die Art nicht mit absoluter Sicherheit kennt. Farbe, Glanz und Ähnlichkeit mit bekannten Früchten sagen nichts über die Genießbarkeit aus.

Glänzend schwarze Tollkirsche mit grünem Kelchstern an der Basis
Die Tollkirsche trägt glänzend schwarze Beeren mit grünem Stern an der Basis; wenige können für ein Kind tödlich sein. · Foto von David J. Stang

Pflanzen, die man nicht berühren sollte: Verbrennungen und Hautentzündungen

Manche Pflanzen müssen nicht verschluckt werden, um Schaden anzurichten: Es genügen die Berührung und, in bestimmten Fällen, das Sonnenlicht.

Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)

Ein riesiger Doldenblütler, der über drei Meter hinauswachsen und fünf Meter erreichen kann, eines der höchsten Kräuter Europas, mit gewaltigen Dolden aus weißen Blüten. Genau diese völlig aus dem Rahmen fallende Größe unterscheidet ihn vom Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium), der unter etwa 2 Metern bleibt. Sein Saft enthält phototoxische Substanzen: Kommt er auf die Haut und wird diese dann der Sonne ausgesetzt, verursacht er ernste Verbrennungen, Blasen und Flecken, die lange anhalten können. Wenn du ihm begegnest, berühre ihn auf keinen Fall und halte Kinder und Tiere fern. Es handelt sich um eine invasive Art, die sich in verschiedenen Gebieten ausbreitet.

Brennnessel (Urtica dioica)

Weniger schlimm, aber sehr verbreitet: Ihre Brennhaare verursachen bei Berührung Brennen und Quaddeln. Eher lästig als gefährlich, aber gut zu erkennen.

Wolfsmilchgewächse (Euphorbia spp.)

Viele wilde Wolfsmilcharten sondern einen weißen Milchsaft ab, der Haut und Augen reizt. Vermeide es, die Stängel zu brechen, und fasse dir nach dem Berühren nicht an die Augen.

Wenn du durch hohe Vegetation gehst, trage lange Ärmel und wasche dir die Hände, bevor du dir ins Gesicht fasst. Treten nach einem Kontakt Rötungen oder Blasen auf, wende dich an einen Arzt und gib an, welche Pflanze du vermutest.

Große Blätter des Riesen-Bärenklaus (Heracleum mantegazzianum)
Die großen, tief gelappten Blätter des Riesen-Bärenklaus (Heracleum mantegazzianum), einer invasiven Pflanze, deren Saft phototoxisch ist und nach Sonneneinstrahlung Verbrennungen verursachen kann. · Foto von Jens Ullenius

Kinder und Tiere: Vorbeugung zu Hause und im Freien

Am stärksten gefährdet sind diejenigen, die die Welt mit dem Mund erkunden: kleine Kinder und Haustiere.

Auf Spaziergängen

  • Lass Kinder keine Beeren, Blüten oder Blätter sammeln und essen.
  • Halte Hunde in Gebieten mit dichter, unbekannter Vegetation an der Leine; manche Tiere knabbern aus Neugier an Pflanzen.
  • Kontrolliere nach dem Ausflug, dass niemand etwas gesammelt oder versteckt hat.

Auch im Garten und auf dem Balkon

Manche giftigen Wildpflanzen landen in Gärten, und mehrere gängige Zierpflanzen sind für Hunde und Katzen giftig. Für Tiere ist die Klassifizierung der ASPCA zu giftigen Pflanzen eine nützliche und aktuelle Referenz. Denke daran, dass die echten Lilien (Lilium) und die Taglilien (Hemerocallis), obwohl botanisch verschieden, beide für Katzen äußerst gefährlich sind, selbst in kleinen Mengen.

Im Fall des Verschluckens

Wende dich sofort an eine Giftnotrufzentrale für Menschen oder an den Tierarzt für Tiere. Nimm, wenn du kannst, ein Foto der Pflanze oder eine Probe mit: Das hilft enorm bei der Bestimmung und dabei, die richtige Behandlung festzulegen.

Genau hier kann dir die Bilderkennung von Greenkeep helfen: Du fotografierst die angetroffene Pflanze und erhältst eine Vermutung darüber, was sie sein könnte. Behandle das jedoch als erste Hilfe, nicht als endgültige Diagnose: Vor einer verdächtigen Pflanze bleibt die Regel, nicht zu berühren und einen Experten zu fragen.

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Häufige Fragen

  • Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) hat einen glatten, hohlen Stängel mit rotvioletten Flecken oder Streifen, weiße Blüten in Dolden, und stark geteilte, petersilienähnliche Blätter. Zerriebenes Laub verströmt einen unangenehmen, oft als mäuseartig beschriebenen Geruch, doch zum Erkennen musst du die Pflanze nicht anfassen: Stängel, Flecken und Blätter genügen. Da er anderen Doldenblütlern ähnelt, gilt: wilde Doldenblütler werden nicht gesammelt. Im Zweifel lass ihn stehen.

  • Zu den giftigsten in Europa gehören die schwarzen, glänzenden Beeren der Tollkirsche, die roten Samenmäntel der Eibe, die roten Beeren des Aronstabs und die des Bittersüßen Nachtschattens. Die kräftige Farbe zeigt keine Genießbarkeit an: Keine Wildbeere sollte ohne sichere Bestimmung berührt oder gekostet werden.

  • Ja. Der Riesen-Bärenklau enthält einen phototoxischen Saft, der bei Sonneneinstrahlung ernste Verbrennungen auf der Haut verursacht. Wolfsmilchgewächse sondern einen für Haut und Augen reizenden Milchsaft ab, und die Brennnessel verursacht bei Berührung Brennen. Am besten berührst du unbekannte Pflanzen nicht und wäschst dir die Hände, bevor du dir ins Gesicht fasst.

  • Wende dich sofort an eine Giftnotrufzentrale für Menschen oder an den Tierarzt für Tiere. Bewahre, wenn möglich, ein Stück der Pflanze auf oder mache ein Foto, um die Bestimmung zu erleichtern. Löse kein Erbrechen aus und gib keine selbst gemachten Mittel ohne ärztliche Anweisung.

  • Eine Erkennungs-App wie Greenkeep liefert anhand eines Fotos eine nützliche Vermutung, ersetzt aber nicht das Urteil eines Experten oder des Arztes. Vor einer Pflanze, die giftig sein könnte, nutze sie als erste Orientierung und halte dich an die Grundregel: nicht berühren und um Bestätigung bitten.

Quellen